Alt-J – Hunger Of The Pine

VÖ: 19.06.2014

Label: Infectious

Gleich mit ihrem Debüt An Awesome Wave konnten die Briten überzeugen, sowohl Kritiker als auch die interessierte Hörerschaft, vor allem natürlich in der Heimat. Dort erreichte es Platinstatus und gewann den Mercury Music Prize, bei dem sich die Band gegen Künstler wie Ben Howard, Jessie Ware, Plan B oder Django Django durchsetzen konnte. Mit letzteren wurden Alt-J gerne verglichen, da diese zu dieser Zeit ebenso Newcomer waren, einem akademischen Hintergrund entsprangen und eine ähnliche Idee verfolgten. Denn es ging darum das angeeignete Wissen, das sich natürlich nicht nur auf Musik beschränkte, sondern weitere Themenfelder wie Film, Kunst oder Literatur mit einschloss, dazu zu nutzen, ein eigenes Konzept von kultiviertem Indie-Rock mit Pop-Elementen und anspruchsvollen, hintergründigen Lyrics zu entwickeln. Dies wäre wahrscheinlich misslungen, wenn dies nicht auf unverkrampfte Weise geschehen wäre. Jetzt wurde die erste Single Hunger Of The Pine aus dem im Herbst erscheinenden Zweitling This Is All Yours veröffentlicht, die erahnen lässt, dass sich Alt-J weiter auf der Suche nach neuen, interessanten Klängen befindet. Es handelt sich um einen jazzig angehauchten, mit interessanten Instrumentalsounds und -beats garnierten, hübsch experimentellen Artrock-Song, der sich auch nicht davor scheut, ein Miley Cyrus-Sample kunstvoll einzubauen. Ihre Textzeile „I’m a female rebel“ (aus dem Song 4×4) fügt sich sehr gut in das atmosphärische Klangbild ein.

Note: 2,0

www.altjband.com/

 

alt-J – Hunger Of The Pine (Lyrics) from teeitee on Vimeo.

Spoon – Rent I Pay

VÖ: 10.06.2014

Label: Anti

Man glaubt es kaum, aber die Band aus Austin, Texas hat letztes Jahr schon ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. In dieser Zeit wurden sieben LPs sowie drei EPs veröffentlicht, die stets eine stilistische Vielfalt und ein fortwährendes Interesse an neuen Sounds erkennen ließen. Denn auch wenn ihre Musik für gewöhnlich zwischen Indie- und Artrock verortet wird, umschreibt dies nur in Ansätzen das Spektrum an Genres, das Spoon bisher erforscht hat. Die Single Rent I Pay, die Album Nummer 8 vorauskündigt, macht schnell klar, dass Britt Daniel & Co. sich ihre Neugier auch weiterhin bewahrt haben. Der Sänger hat mit seiner charismatischen Stimme einen großen Anteil daran, dass dieser von einer markanten Gitarren-Melodie und einem straighten Drumbeat befeuerte Song so gut funktioniert. Es sollte wohl bewusst darum gehen, die Zutaten eines konventionellen Rockhits zwar zur Anwendung zu bringen, diese aber in bandtypischer Manier originell zu kombinieren und damit in einen neuen Kontext zu stellen. Unabhängig davon, ob das zutrifft oder nicht, kann man festhalten, dass Spoon mit Rent I Pay ein ausgezeichneter Ohrwurm gelungen ist.

Note: 2,0

www.spoontheband.com/

 

Caribou – Can’t Do Without You

VÖ: 04.06.2014

Label: City Slang

Daniel Victor Snaith ist momentan mal wieder ein vielbeschäftigter Mann, den er veröffentlicht dieser Tage nicht nur zusammen mit Owen Pallett eine neue Single unter dem Alias Daphni, sondern steckt zudem in den Vorbereitungen für ein neues Studioalbum als Caribou. Es soll in den nächsten Monaten erscheinen und den Titel Our Love tragen. Daraus gibt es vorab die Single Can’t Do Without You zu hören, die mit ihrem Loops an den fantastischen Track Sun aus dem Vorgänger Swim erinnert. Dieses Niveau wird zwar nicht ganz erreicht, trotzdem überzeugt die neue Veröffentlichung aufgrund der Hookline und eines stets vorantreibenden Beats.

Note: 2,3

www.caribou.fm/

 

Hercules And Love Affair – I Try To Talk To You

VÖ: 09.06.2014

Label: Moshi Moshi

Das neue Album The Feast Of The Broken Heart lässt nach den ersten Höreindrücken noch ein paar Fragen offen. Einerseits gelingt es dem Kollektiv um Andrew Butler die bandtypische Mischung aus Disco- und House-Elementen um neue Ideen (z.B. aus Funk, Soul oder R&B) zu erweitern, andererseits vermisst man eben jene in manchen Tracks (bislang). Druckvoll und ambitioniert präsentieren sich jetzt schon Hercules Theme 2014, 5:43 To Freedom, The Light und I Try To Talk To You. Bei dem letztgenannten Beispiel handelt es sich um die zweite Singleauskopplung, für die hat man als Gastsänger John Grant zu Rate gezogen hat. Jener Künstler, der letztes Jahr für sein Album Pale Green Ghost verdientermaßen positive Kritiken einheimsen konnte. Hier hat er ebenso einen großen Anteil daran, dass der Track funktioniert, denn seine Stimme passt ziemlich gut mit den House-Beats und der sehnsuchtsvollen Klaviermelodie zusammen.

Note: 2,3

myspace.com/herculesandloveaffair

 

Hercules and Love Affair feat. John Grant – I Try To Talk to You from David Wilson on Vimeo.

Yann Tiersen – Infinity

VÖ: 16.05.2014

Label: Mute

Es gab mehrere Gründe dafür, dass Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) so großartig war. Drehbuch, Regie, Besetzung (vor allem Audrey Tautou), Ton, Szenenbild, Kamera (u.a.) – alles war erstklassig, keine Frage. Aber ebenso hat der französische Spielfilm wegen der Musik Eindruck hinterlassen. Verantwortlich war Yann Tiersen, der dafür moderne Klassiker wie Comptine d’un autre été, l’après-midi oder La valse d’Amélie komponierte. Die Mischung aus vielschichtigen klassischen Instrumentalarrangements und französischer Folklore verlieh den ohnehin schon beeindruckenden Bildern noch mehr Ausdruck. Es folgten weitere Arbeiten (z.B. der Soundtrack zu Good Bye, Lenin!), mit denen der Künstler seine Bekanntheit manifestieren konnte. Nun hat sich Tiersen nach Island begeben, um dort Infinity aufzunehmen und die einheimische Musiktradition einfließen zu lassen. Das Ergebnis ist jedoch nicht zufriedenstellend. Das Album beginnt zwar zunächst vielversprechend, da das Titelstück eine unheilvolle Stimmung vermittelt, die durch eine hymnische Streichermelodie aufgebrochen wird. Doch danach verliert das Werk an Spannung und lässt allzu oft Stringenz vermissen. Einerseits versucht Tiersen krampfhaft die Opulenz Sigur Rós‘ zu kopieren, andererseits klingen die Chöre seltsam nach New-Age-Esoterik. Nur selten kommen seine einstigen Fähigkeiten, auch mal unkonventionelle Bahnen einzuschlagen, zum Tragen. Das ist höchst bedauerlich.

Note: 4,0

http://livestream.yanntiersen.com/

 

The Roots – When The People Cheer

VÖ: 06.05.2014

Label: Def Jam Recordings

Erstaunlich ist, dass die Formation um Questlove in den 27 Jahren ihres Bestehens zu keiner Zeit den Entwicklungen im Hip-Hop hinterherlaufen musste, ganz im Gegenteil, ihnen stets voraus war. The Roots gaben mit neuen Ideen jederzeit die Richtung vor, enervierende Stereotypen des Genres wurden erst gar nicht bedient, sondern durch intelligente Texte und innovative Klangelemente (auch mal aus Jazz oder Klassik) ersetzt. Nun erscheint das elfte Studioalbum …And Then You Shoot Your Cousin, das dem fabelhaften Vorgänger Undun in nichts nachsteht und dessen Thematik weitergeführt. Man höre nur die vieldeutige, von interessanten Gästen begleitete Single When The People Cheer, die im entspannten, souligen Klanggewand die Alltagsprobleme der US-amerikanischen Gesellschaft darlegt. Ganz groß!       

Note: 2,0

www.theroots.com/

 

The Roots ‚When The People Cheer‘ from Sven Samenstroem on Vimeo.

Kate Tempest – Everybody Down

VÖ: 16.05.2014

Label: Big Dada

Das Cover des Albums könnte den Betrachter leicht in die Irre führen, denn darauf sieht Kate Tempest allzu brav aus. Der Schein trügt, denn die 27-jährige versteht es ausgezeichnet, Kritik an gesellschaftlichen Missständen auszüben – selbstbewusst, pointiert, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Britin kann auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen (u.a. ist sie selbst unter nicht einfachen Bedingungen in London aufgewachsen), was sie bereits auf vielfältige Weise kreativ aufgearbeitetet hat, auch musikalisch. Tempest ist schon seit Jugendjahren als Rapperin aktiv, bekannt wurde sie allerdings eher wegen ihrer literarischen Verdienste als Dramatikerin, Poetin und Spoken Word-Künstlerin (für ihr Werk Brand New Ancients wurde sie 2013 mit dem renommierten Ted Hughes Award ausgezeichnet). Daher verwundert es kaum, dass einiges von diesen Fähigkeiten in Everybody Down einfloss. Das Album ist mit einer Handlung bedacht – die Alltagsprobleme von Jugendlichen in London werden geschildert – und jeder Song stellt jeweils eine Art neues Kapitel dar. Die klugen, hintersinnigen Lyrics sind darüber hinaus mit modernen, abwechslungsreichen Hip-Hop/Electro-Beats und -Melodien unterlegt. Erinnert an Labelkollege Roots Manuva, die frühen Werke Dizzee Rascals oder an The Streets‘ geniales Debüt Original Pirate Material.

Note. 2,0

katetempest.co.uk/video

 

Kate Tempest – ‚The Beigeness‘ from Ninja Tune on Vimeo.

Gruff Rhys – American Interior

VÖ: 09.05.2014

Label: Turnstile

Gruff Rhys hat in der Popmusik schon so einiges bewirken können, denn egal in welcher Band der Waliser auch spielte, es gelang ihm jederzeit neue Klangfacetten zu erforschen und auszuarbeiten, sei es bei Ffa Coffi Pawb, den großartigen Super Furry Animals oder mit dem Hip-Hop-Produzenten Boom Bip als Neon Neon. Seine Solowerke sind nicht weniger beeindruckend, was sich abermals nach dem Anhören der neuen, vierten Veröffentlichung feststellen lässt. Leichtfüßig, abwechslungsreich und ohne Scheu vor irgendwelchen Genregrenzen.

Note: 2,0

www.gruffrhys.com/

 

Gruff Rhys – American Interior (Official Video) from Ryan Owen Eddleston on Vimeo.

Sylvan Esso

Label: City Slang

Der Katalog des Berliner Labels City Slang, der eine beachtliche Bandbreite an interessanten, in unterschiedlichen Musikrichtungen anzusiedelnden Künstlern vorweist (u.a. Arcade Fire, Junip, Caribou u.a.), wird nun um das selbstbetitelte Debütalbum des US-Duos Sylvan Esso wunderbar ergänzt. Amelia Meath und Nick Sanborn präsentieren darauf erfindungsreichen Electro-Pop, der sich mit konventionellen Arrangements und Songstrukturen nicht zufrieden gibt. Exemplarisch dafür steht die hitverdächtige Single Play It Right.

http://cityslang.com/sylvan-esso/

Note für den Song: 2,0

Album: Sylvan Esso (VÖ: 09.05.2014)

Lily Allen – Sheezus

VÖ: 02.05.2014

Label: Regal Recordings

Schon die Leadsingle Hard Out Here, die nach einer mehrjährigen kreativen Pause Lily Allens im November letzten Jahres erschien, nahm die Öffentlichkeit recht kontrovers auf. Verständlich, denn einerseits wurde der Text (als auch das Musikvideo) zurecht wegen der kritischen Auseinandersetzung mit den oberflächlichen, stereotypen Mechanismen im Pop-Business (z.B. Anprangerung des einseitigen, nach wie vor chauvinistischen Frauenbilds) gelobt, andererseits lässt die Musik selbst eine vergleichbare Distanz vermissen. Sie unterscheidet sich letztendlich klanglich nicht nennenswert von jener Mainstream-Massenware, die von Allen kritisierte Kolleginnen wie Katy Perry oder Rihanna zu veröffentlichen pflegen. Der herrlich ironisch-selbstbewusste, individuelle Stil, den die 29-Jährige auf den beiden Vorgängern so erfolgreich auf den Punkt bringen konnte, ist hier nicht wirklich zu verorten. Dieses Problem lässt sich leider auf nahezu alle Songs des Albums projizieren. Schade!

Note: 4,0

www.lilyallenmusic.com/

Lily Allen – Hard Out Here (Official Video) from Sammy Neal – Video Editor on Vimeo.

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